Bauschaum wird zum Füllen, Dichten, Dämmen oder Fixieren verwendet. Je nach Inhaltsstoffen, Region oder Anwendung werden diese Produkte auch als Montage-, Bau-, Füll-, Dämm- oder Isolierschäume bezeichnet. Bekannt sind sie außerdem als PUR- oder PU-Schaum. Wer Bauschaum verarbeiten möchte, sollte vor allem wissen, welcher Schaum zur Anwendung passt, wie die Aushärtung funktioniert und welche Sicherheitsregeln beim Umgang wichtig sind. Es werden zwei Varianten angeboten: der Einkomponentenschaum (K1) und der Zweikomponentenschaum (K2).
Montageschaum kommt überall dort zum Einsatz, wo Risse abzudichten sind, Hohlräume aufgefüllt werden müssen oder Fenster und Türen eingesetzt werden. Polyurethanschaum, kurz PU-Schaum genannt, wird im Bau nicht nur zum Abdichten, Füllen, Dämmen, Fixieren und Isolieren genutzt, sondern auch zum Kleben. Für jeden Bereich gibt es den passenden Schaum.
Im privaten Bereich spielt neben der einfachen Verarbeitung auch der ökologische und gesundheitliche Faktor eine große Rolle. Beim Bau im professionellen Bereich werden hingegen häufig Bauschäume verwendet, die schneller durch- beziehungsweise aushärten, damit andere Gewerke ihre Arbeit fortsetzen können.
Im Ratgeber wird erklärt, woraus Bauschaum besteht, welche Unterschiede zwischen K1 und K2 bestehen, worauf es bei der Trockenzeit ankommt und ob Bauschaum der Gesundheit schaden kann.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Bauschaum: Was sind die Hauptbestandteile?
- 3 Merkmale und Anwendungen vom Bauschaum
- 4 Umgang mit Bauschaum
- 5 Kann Bauschaum gesundheitsgefährdend sein?
- 6 Ist Bauschaum noch verwendbar, obwohl die Dose angebrochen ist?
- 7 Kann Bauschaum recycelt werden?
- 8 Kann Bauschaum entfernt werden?
- 9 Woran ist hochwertiger Bauschaum zu erkennen?
- 10 Tipps beachten bei der Verwendung von Bauschaum
- 11 Baustoffklassen
- 12 Wie lange braucht Bauschaum zum Trocknen?
- 13 Für welche Anwendungen eignet sich Bauschaum nicht?
- 14 Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- Bauschaum eignet sich zum Füllen, Dichten, Dämmen und Fixieren: Er wird häufig bei Fugen, Rissen, Hohlräumen sowie beim Einsetzen von Fenstern und Türen verwendet.
- K1- und K2-Schaum unterscheiden sich bei der Aushärtung: Einkomponentenschaum benötigt Feuchtigkeit, während Zweikomponentenschaum durch eine chemische Reaktion schneller und auch in Hohlräumen aushärtet.
- Beim Verarbeiten sind Schutz und Untergrund wichtig: Handschuhe, Schutzbrille, gute Lüftung sowie ein sauberer, tragfähiger Untergrund sorgen für bessere Ergebnisse und mehr Sicherheit.
Bauschaum: Was sind die Hauptbestandteile?
Der Großteil der Bauschäume beruht auf dem Stoff Polyurethan (PU). Die Bauschäume haben einen Dämmwert, der vergleichbar mit einer PU-Platte ist. Einige Bauschäume sind auf Acrylbasis hergestellt. Der Nachteil bei den Acrylbasis-Schäumen (Acrylate) ist, dass diese nicht frostbeständig sind.
Polyurethanschaum Hauptbestandteile
Flüssiggas + 1 Teil Polyol+ 2 Teile Isocyanat = 1 Teil Isocyanat + Luftfeuchtigkeit = Polyurethan Schaum (PU-Schaum)
Vereinfacht gesagt besteht Bauschaum aus reaktiven PU-Bestandteilen, Treibmittel und je nach Produkt weiteren Zusätzen, die Verarbeitung, Haftung, Zellstruktur oder Brandschutzklasse beeinflussen. Die genaue Zusammensetzung kann sich je nach Hersteller und Einsatzbereich unterscheiden, weshalb die Angaben auf der Dose immer beachtet werden sollten.
Merkmale und Anwendungen vom Bauschaum
K1: Einkomponentenschaum
Die Aufbewahrung von Einkomponentenschaum (K1) erfolgt in Aerosoldosen (Druckbehälter), die vor Gebrauch gut geschüttelt werden müssen. Der K1 Bauschaum wird aus Polyol und Isocyanat gemischt, daraus entsteht Prepolymer. Der Bauschaum quillt beim Aufspritzen auf die Fläche auf und wird durch die Luftfeuchtigkeit ausgetrocknet. Es wird also kein zusätzlicher Härter benötigt. Sollte nicht genügend Luftfeuchtigkeit vorhanden sein, kann mit einem Blumenspritzer die Fläche leicht angefeuchtet werden.
Nach kurzer Zeit (ca. 10 Minuten) kleben die Flächen nicht mehr und eine Nacharbeit, wie das Abschneiden von Überständen, kann nach ca. 45 bis 60 Minuten erfolgen. Eine komplette Aushärtung des Bauschaums erfolgt nach ca. 5 Stunden. Es sollten immer die Herstellerangaben für die Aushärtungs- und Bearbeitungszeiten beachtet werden. Die Angaben können je nach Hersteller, Fugenbreite, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und aufgetragener Schaummenge variieren.
Die Verarbeitung von Einkomponentenschaum ist sehr unkompliziert und einfach und auch für Laien sehr gut geeignet. In geschlossenen Hohlräumen sollte dieser Bauschaum nicht verwendet werden, da immer Feuchtigkeit vorhanden sein muss, damit der Montageschaum aushärten kann.
Mit einer Schaumpistole kann der Einsatz von Einkomponentenschaum zielgerichtet und sparsam erfolgen. Dazu wird die Dose in die Schaumpistole eingesetzt. Das Ventil der Dose wird nach oben auf die Schaumpistole aufgeschraubt. Wurde der Bauschaum nicht komplett verbraucht, sollte die Schaumpistole auf der Dose aufgeschraubt bleiben. Verschmutzungen sollten zudem gleich nach Gebrauch entfernt werden. Wird die Schaumpistole längere Zeit nicht verwendet, muss diese mit einem speziellen Reiniger gereinigt werden.
Die Aushärtung des Schaums erfolgt von außen nach innen. Faktoren, die für die Aushärtung sehr ungünstig sind, sind eine zu niedrige Umgebungstemperatur und Umgebungs-Luftfeuchtigkeit. Es wird eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 30 Prozent benötigt und die Temperaturen sollten zwischen 15 bis 25 °C liegen. Aber auch bei 5 bis 30 °C ist der Einsatz von Montageschaum möglich.

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K2: Zweikomponentenschaum
Auch der Zweikomponentenschaum wird in einer Druckflasche aufbewahrt. Der Unterschied hier ist, dass der Inhalt komplett aufgebraucht werden muss. Zweikomponentenschaum, der Name sagt es schon, besteht aus zwei Bestandteilen. Diese sind bei der Aerosol-Variante in getrennten Bereichen der gleichen Druckflasche untergebracht und werden erst nach Aktivierung miteinander vermischt. Danach hat man einen gewissen Zeitraum zur Verfügung, in welchem die Verarbeitung erfolgen muss. Bei der Doppelkartuschen-Variante hingegen sind beide Komponenten in getrennten Druckflaschen enthalten und werden im Mischrohr während des Aufbringens zusammengeführt.
Der K2 Schaum benötigt keine Feuchtigkeit für die Aushärtung und ist somit auch für Hohlräume geeignet. Ohne Härtemittel, dem zweiten Bestandteil, würde der K2 Zweikomponentenschaum genauso reagieren wie der K1 Komponentenschaum. Durch den zusätzlichen Inhaltsstoff findet allerdings ein schnelleres Aushärten statt.
Der Untergrund darf für die Verwendung von dem Zweikomponentenschaum nicht angefeuchtet werden, denn der K2 härtet selbstständig aus, ohne benötigte Feuchtigkeit. Die Verarbeitung von Zweikomponentenschaum muss sehr zügig erfolgen. Sobald die Aktivierung erfolgt ist, muss die Dose mit dem Ventil nach unten gehalten werden und sofort geschüttelt werden. Dann kurz warten (ca. eine halbe Minute) und nochmals schütteln.
Nach wenigen Minuten muss der Zweikomponentenschaum verarbeitet sein und die Dose komplett leer sein. Nach etwa 20 Minuten kann eine Nacharbeit erfolgen und die Überstände abgetrennt werden. Achtung! Nicht gleich im feuchten Zustand Überstände entfernen. Voll ausgehärtet und belastbar ist der Montageschaum K2 nach ca. 120 Minuten. Der Zweikomponentenschaum schließt wasser- und luftdicht ab und besitzt eine höhere Festigkeit als der Einkomponentenschaum.
Einkomponentenschaum (K1) benötigt für das Aushärten Feuchtigkeit. Beim K2 (Zweikomponentenschaum) wird keine Feuchtigkeit benötigt, da das Aushärten durch eine chemische Reaktion erfolgt. Der Zweikomponentenschaum ist spreizdruckfrei, die Festigkeit ist höher, er wird schneller fest und ist gut geeignet für Hohlräume.
Umgang mit Bauschaum
Beim Verarbeiten von Bauschaum sollten Handschuhe, Atemschutzmaske und auch eine Schutzbrille getragen werden. Auch ist eine gute Durchlüftung der Räume sehr wichtig. Um einen Halt des Bauschaums zu gewährleisten, sollte die Fläche fest, fett- und staubfrei sein. Bauschaum ist zudem sehr schwer zu entfernen, deshalb sollten andere Flächen mit einer Abdeckung abgedeckt werden.
Vor der Anwendung sollte außerdem geprüft werden, ob der Untergrund für PU-Schaum geeignet ist. Auf stark saugenden, staubigen oder losen Flächen haftet der Schaum schlechter. Bei K1-Schaum hilft leichtes Anfeuchten, bei K2-Schaum sollte dagegen trocken gearbeitet werden. Die Dose sollte auf Verarbeitungstemperatur gebracht und kräftig geschüttelt werden, damit sich die Bestandteile gleichmäßig vermischen.
Kann Bauschaum gesundheitsgefährdend sein?
Im Bauschaum sind Methylendiphenyldiisocyanate (MDI) bzw. Isocyanate enthalten. Diese Wirkstoffe werden als gesundheitsgefährdend eingestuft. Durch den Stoff können Haut- und Augenreizungen sowie Atemwegserkrankungen hervorgerufen werden. Besonders kann dieser Stoff aber auch der Auslöser für schwerwiegende Gesundheitsschäden sein. Nach der vollständigen Aushärtung geht jedoch bei sachgemäßer Verwendung keine vergleichbare Gefahr mehr von MDI aus.
Stoffe, die nicht so stark gesundheitsgefährdend sind, werden an dem EC1-Plus-Siegel erkannt. Diese Montageschäume sind emissionsarm hergestellt. Die Nachteile sind häufig eine längere Trocknungszeit und ein höherer Preis.
Ist Bauschaum noch verwendbar, obwohl die Dose angebrochen ist?
Beim K1 Bauschaum ist es wichtig, dass er luftdurchlässig und trocken gelagert wird. Der Sprühkopf muss gereinigt sein. Es ist aber nicht sicher, ob er noch zu verarbeiten ist. Der Zweikomponentenschaum ist nach Anbruch jedoch nicht mehr verwendbar, er sollte immer sofort aufgebraucht werden.

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Kann Bauschaum recycelt werden?
Egal ob K1 oder K2 Bauschaumdosen, in Deutschland zählen diese zum Sondermüll. Sie werden speziell entsorgt und dürfen nie in Restmüll, Gelben Sack, Altmetallcontainer, Sonderabfallverbrennung oder Baumischabfall entsorgt werden. Zwei Varianten für die Entsorgung gibt es:
- einzelne Dosen nimmt die lokale Müllabfuhr mit oder sie können im Baumarkt abgegeben werden
- bei größeren Mengen Lizenzgeber anrufen (auf der Bauschaumdose befindet sich das Logo) und die abzuholende Menge angeben. Wird kostenfrei abgeholt.
Kann Bauschaum entfernt werden?
Der Bauschaum soll ja auf lange Zeit beständig sein. Deshalb ist er nicht so leicht zu entfernen. Kommt doch einmal Bauschaum auf eine Fläche, so sollte dieser gleich mit einem Tuch entfernt werden, bevor er aushärtet. Wird es zu spät bemerkt, kann mit einem Spachtel oder Cuttermesser versucht werden, den Bauschaum zu entfernen. Das ist jedoch sehr aufwendig.
Besser ist der Einsatz von PU-Schaumentferner. Dieser löst die Schaumstruktur (Schaum wird flüssig) und er löst sich ab. Schaumentferner sind aggressive Chemikalien und nicht für alle Materialien geeignet (nicht für eloxiertes Aluminium). Aus diesem Grund sollte er vorher an einer unauffälligen Stelle getestet werden.
Woran ist hochwertiger Bauschaum zu erkennen?
Hochwertiger Bauschaum ist an einigen Faktoren zu erkennen:
- CE-Kennzeichnung (Entsprechen der EU-Verordnung) und der Angabe von EN 15851
- besitzt eine hohe Formstabilität
- Schaumstruktur ist feinzellig und ohne Luftblasen
- Haftungsspektrum ist breit
- RAL- und EnEV-Konformität (RAL = Qualität entspricht dem Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, EnEV = entsprechen den Anforderungen der Energieeinsparverordnung)
Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Angaben zur Baustoffklasse, Ergiebigkeit, Schneidbarkeit, Temperaturbeständigkeit und Nachdehnung. Gerade bei Fenstern, Türen und empfindlichen Bauteilen ist ein passender, formstabiler und möglichst spreizdruckarmer Schaum wichtiger als eine besonders hohe Ausdehnung.

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Tipps beachten bei der Verwendung von Bauschaum
Nachfolgende 6 Hinweise gilt es bei der Verwendung von Bauschaum zu beachten:
- für genügend Feuchtigkeit bei der Verwendung von K1 Schaum sorgen
- für Fenster und Türen spreizdruckfreie Schäume verwenden, spreizdruckfrei bedeutet, er quillt nach dem Auftragen nicht stark nach und belastet angrenzende Bauteile deutlich weniger
- vor der Verwendung den K1 Einkomponentenschaum richtig schütteln
- Vorsicht vor Explosionsgefahr bei K1 Schaum, enthält Treibgas
- vermeiden einer Dreiflankenhaftung, Schaum sollte zwischen den Fugenflanken frei beweglich sein, um Risse und Haftablösung zu vermeiden
- kurze Probesprühung vornehmen, Dose oder Behälter steht unter Druck
Entsteht ein kleiner Riss im Bauschaum, so wirkt sich dies auf die Dämmfähigkeit vom Dichtstoff aus. Die Schalldämmung kann dadurch um bis zu 13 dB reduziert werden. Ein normaler PU-Schaum ist ca. 10 Prozent beweglich. Es gibt allerdings spezielle Bauschäume, die bis zu 30 Prozent beweglich sind und für den Einsatz bei Dachdecker oder Zimmermann gemacht sind.
Baustoffklassen
Genau wie andere Baustoffe wird auch der Bauschaum im Bereich der Brenn- und Entflammbarkeit in Baustoffklassen eingestuft. Die Baustoffklassen zeigen an, wo der Bauschaum eingesetzt werden darf.
- Baustoffklasse B1: ist schwer entflammbar, jedoch i.d.R. für Brandschutztüren unzulässig
- Baustoffklasse B2: ist normal entflammbar
- Baustoffklasse B3: ist leicht entflammbar und nur für den Erdbereich zugelassen
Wie lange braucht Bauschaum zum Trocknen?
Bauschaum ist je nach Produkt nach wenigen Minuten klebfrei, aber noch nicht vollständig belastbar. Die Bauschaum Trockenzeit hängt vor allem davon ab, ob es sich um K1- oder K2-Schaum handelt, wie dick die Schaumschicht ist und unter welchen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen gearbeitet wird.
Bei Einkomponentenschaum dauert das vollständige Aushärten meist deutlich länger, weil die Reaktion Feuchtigkeit benötigt und von außen nach innen erfolgt. Zweikomponentenschaum härtet durch seine chemische Reaktion schneller und gleichmäßiger aus. Für Schneid-, Belastungs- und Weiterverarbeitungszeiten sollten trotzdem immer die Angaben des Herstellers gelten.
Für welche Anwendungen eignet sich Bauschaum nicht?
Bauschaum eignet sich nicht als universeller Ersatz für mechanische Befestigungen. Er kann abdichten, füllen, dämmen und je nach Produkt auch kleben, ersetzt aber bei tragenden oder sicherheitsrelevanten Bauteilen keine Schrauben, Dübel, Winkel, Anker oder andere zugelassene Befestigungsmittel.
Auch bei dauerhaft sichtbaren, UV-belasteten oder bewegungsreichen Fugen ist Vorsicht geboten. PU-Schaum sollte nach dem Aushärten in der Regel geschützt, sauber zugeschnitten und passend überarbeitet werden, zum Beispiel mit Putz, Dichtstoff, Leisten oder einer anderen geeigneten Abdeckung.
Fazit
Bauschaum ist ein vielseitiger Baustoff zum Füllen, Dichten, Dämmen, Fixieren und Isolieren. Entscheidend ist, den passenden Schaum für die jeweilige Anwendung zu wählen: K1-Schaum ist einfach zu verarbeiten und eignet sich für viele offene Fugen und Anschlüsse, während K2-Schaum schneller aushärtet und auch für Hohlräume geeignet ist.
Wer Bauschaum verarbeiten möchte, sollte Untergrund, Feuchtigkeit, Temperatur, Trockenzeit und Arbeitsschutz beachten. Ebenso wichtig sind die richtige Entsorgung der Dosen und die Wahl eines hochwertigen Produkts mit geeigneter Kennzeichnung, passender Baustoffklasse und guter Formstabilität.



