Richtig bohren – Die Anleitung für Anfänger und Profis

Von | 16. Februar 2018
Ein Vater und seine Tochter, kurz davor gemeinsam ein Loch in die Wand zu bohren.
©andydip/123RF

Das Bohren zählt zu den häufigsten Arbeiten im Haus. Ohne eine Bohrmaschine lassen sich keine Bilder, Regale oder Hängeschränke aufhängen. Richtig mit einem Bohrer umgehen zu können will gelernt sein, damit nichts schief geht. Das kann schnell passieren: Haben Sie den Bohrer zu tief angesetzt, entsteht ein unbrauchbares Loch und dies verschandelt Ihre frisch renovierte Wand.

Den richtigen Bohrer finden

Im Handel bekommen Sie Bohrer und Aufsätze in vielen unterschiedlichen Ausführungen. Die Bohrmaschinen sind für verschiedene Materialien konzipiert und unterscheiden sich deutlich voneinander. Den richtigen Bohrer wählen Sie im Hinblick auf das vorhandene Material.

Durch ein einfaches Klopfen können Sie sich im Voraus einen ersten Eindruck verschaffen. Klingt eine Wand hohl, handelt es sich in der Regel um eine dünne Wand, die aus Gipskarton besteht. Ertönt stattdessen ein flaches Klangbild, ist es wahrscheinlich eine massive Wand, die entweder aus Beton besteht oder gemauert ist.

Müssen Sie in einen härteren Werkstoff, wie beispielsweise in Stein bohren, benötigen Sie eine Schlagbohrmaschine. Ein normaler Bohrer ohne Schlag oder ein Akkubohrer eignet sich für Gipskarton und Porenbeton.

Um in Beton zu bohren sollten Sie einen Bohrhammer verwenden. Ihre Bohrlöcher werden glatter und sauberer wenn Sie auf einen Schlagbohrer verzichten. Dies gilt ausschließlich für Materialien, bei denen Sie keinen Schlagbohrer benötigen. Löcher in Fliesen bohren Sie ohne einen Schlagbohrer, denn sonst reißen die Fliesen schnell ein.

Zusammengefasst:

  • Akkubohrer oder Bohrmaschine ohne Schlag für Holz, Gipskarton und Porenbeton
  • Bohrhammer für Beton und Stahlbeton
  • Schlagbohrmaschine für Mauersteine, Ziegelsteine und Naturstein

Die passenden Schrauben und Dübel auswählen

Bevor Sie mit den Bohrarbeiten beginnen, sollten Sie alle nötigen Materialien zur Hand haben. Neben einer Bohrmaschine benötigen Sie Schrauben und Dübel und diese müssen von den Abmessungen her zueinander und zu den Löchern passen.

Je größer der Durchmesser bei Dübeln oder Schrauben, desto höher ist die Tragfähigkeit. Dübeln Sie beispielsweise nur einen Bilderhaken an Ihre Wand, reicht ein geringer Durchmesser von 6 mm aus. Möchten Sie größere Gardinenstangen über einem Fenster befestigen, entscheiden Sie sich für einen Durchmesser von 8 mm. Bei einem schwereren Hängeschrank sollten Sie 10 mm Dübel verwenden. Benötigen Sie Dübel mit 6 mm Durchmesser, reicht es, wenn die Schrauben 3 mm groß sind. Bei 8 mm großen Dübeln sollten Sie dementsprechend Schrauben mit einem Durchmesser von 4 bis 5 mm wählen. Nehmen Sie 10 mm große Dübel, verwenden Sie 6 mm große Schrauben.

Generell sollten die Schrauben auf keinen Fall länger als die Dübel sein. Der Durchmesser der Dübel muss zur Größe des Bohrers passen und die Dübel müssen so stramm wie möglich in den Löchern sitzen. Haben Sie alle Materialien in der richtigen Größe zur Hand, können Sie die Bohrmarkierung aufzeichnen.

Zusammengefasst:

  • Für Gipskarton, Gipsfaser- oder Wandbauplatten nehmen Sie Gipskartondübel oder Federklappdübel
  • Rigipsdübel mit einer Bitführung sind ideal zum Einquetschen der Dübel in den Rigips
  • Für Beton und Vollstein eignen sich Spreizdübel
  • Für Lochsteine verwenden Sie Porenbetondübel
  • Bei allen anderen Materialien entscheiden Sie sich für Allzweckdübel

Markieren der Bohrlöcher

Bei der Suche nach geeigneten Löchern sollten Sie die vorhandenen Strom- und Wasserleitungen in Ihrer Wohnung unbedingt berücksichtigen. Sind Sie sich nicht sicher, wo genau diese Leitungen verlaufen, verwenden Sie am besten ein Leitungssuchgerät. Das digitale Ortungsgerät bekommen Sie in jedem Baumarkt und können mit diesem in wenigen Minuten feststellen, hinter welchen Stellen sich Strom- oder Wasserleitungen befinden.

Die Leitungen verlaufen in den meisten Fällen in Installationszonen horizontal oder vertikal in den Wänden. Eine besonders große Vorsicht ist in der waagerechten und senkrechten von allen Steckdosen geboten. 15 bis 25 cm über dem Fußboden und unterhalb der Decke sowie 10 bis maximal 30 cm neben Fenstern, Türrahmen und Zimmerecken sollten Sie ebenfalls keine Löcher bohren.

Verwenden Sie zur Markierung am besten einen Bleistift und zeichnen Sie ein Kreuz genau an die Stelle, an der Sie das Loch bohren wollen. Zeichnen Sie das Kreuz lieber etwas kleiner, damit dieses nach dem Bohren nicht mehr hervorragen.

Als Alternative kleben Sie ein Stück Klebeband auf das gewünschte Loch und markieren Sie es mit dem Kreuz. Wollen Sie Löcher in Fliesen bohren, können Sie die gewünschten Stellen etwas ein Ritzen, damit sie dem Bohrer einen besseren Halt verschaffen.

Die Lochtiefe richtig einstellen

Die Löcher sollen auf keinen Fall zu groß sein. Es reicht vollkommen aus, wenn die Löcher nur geringfügig länger sind als die Dübel. Verwenden Sie eine Bohrmaschine mit einem Tiefenanschlag, können Sie die Lochtiefe einstellen.

Verfügt Ihr Bohrer über keine solche Funktion, markieren Sie die gewünschte Tiefe direkt auf dem Bohrer. Verwenden Sie entweder Klebeband oder einen Stift und dringen Sie mit dem Bohrer exakt bis zu dieser Markierung in die Wand.

Passen Sie die Größe von Ihrem Bohrer an den Durchmesser der Dübel an. Die Tiefe der Bohrlöcher entspricht im Idealfall der Summe aus der Länge und des Durchmessers der Dübel. Verwenden Sie bei einer porösen Wand auf keinen Fall einen zu großen Durchmesser, denn sonst entstehen zu große Löcher.

Stecken Sie Ihren Bohrer in das Futter und fixieren Sie das Ganze mit dem Mechanismus des Futters.

Eine sichere Standposition einnehmen

Unabhängig von der gewählten Bohrerart ist es beim Bohren immens wichtig, dass Sie aus einer sicheren Standposition heraus arbeiten.

Stellen Sie sich zu diesem Zweck mit Ihrer Bohrmaschine frontal zu der gewünschten Wand auf und machen Sie anschließend einen Ausfallschritt in Richtung Wand.

Sind Sie Rechtshänder, treten Sie zuerst mit dem linken Bein nach vorne. Als Linkshänder beginnen Sie mit dem rechten Bein. Müssen Sie Löcher in einer höheren Position bohren, verwenden Sie eine Leiter. Bitten Sie zur Sicherheit eine weitere Person um Hilfe.

Diese sichert die Leiter beim Bohren. Tragen Sie beim Arbeiten mit einer Bohrmaschine immer eine Schutzbrille. Diese verhindert, dass Partikel von der Wand in Ihre Augen gelangen.

Die Wandlöcher bohren

Haben Sie eine sichere Position eingenommen, können Sie mit dem Bohren beginnen. Setzen Sie den Bohrer in einem rechten Winkel zu der gewünschten Wand an. Befestigen Sie am besten unterhalb der Bohrstelle einen geöffneten Briefumschlag mit einem doppelseitigen Klebeband. In dem Umschlag wird der Bohrstaub aufgefangen.

Alternativ bitten Sie eine zweite Person um Hilfe. Diese saugt während des Bohrens mit einem Staubsauger den Staub direkt ab. Schalten Sie die Bohrmaschine an und beginnen Sie gleichmäßig und ohne einen zu starken Druck durch den Putz zu bohren.

Je mehr Sie pressen, desto heißer wird Ihre Bohrmaschine. Beim Anbohren sollten Sie den Bohrer am besten mit einer geringeren Drehzahl benutzen. Erst wenn Sie mit der Bohrmaschine etwas in die Wand eingedrungen sind, sollten Sie die Drehzahl des Bohrers erhöhen. Am besten unterbrechen Sie den Bohrvorgang alle 10 Sekunden und lassen Ihren Bohrer etwas abkühlen.

Handelt es sich um eine Beton-, Ziegelstein-, oder Natursteinwand, aktivieren Sie zusätzlich die Schlagbohrfunktion.

Arbeiten Sie mit der Bohrmaschine so lange weiter, bis Sie Ihre gewünschte Lochtiefe erreicht haben. Ist dies der Fall, schalten Sie den Bohrer aus und ziehen die Maschine heraus. Haben Sie damit Schwierigkeiten, verwenden Sie die Rücklauffunktion (falls vorhanden). Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie das Loch beim Rausziehen des Bohrers nicht beschädigen.

Die gebohrten Löcher aussaugen und überprüfen

Damit Ihre Dübel in den gebohrten Löchern einen richtigen Halt finden, müssen Sie die Löcher von allem Rückständen befreien. Verwenden Sie am besten einen Staubsauger und saugen Sie alle gebohrten Löcher gründlich aus.

Falls nötig, nehmen Sie zusätzlich eine kleine Bürste. Haben Sie den ganzen Staub beseitigt, können Sie die Löcher überprüfen.

Verwenden Sie dazu die passenden Dübel und schieben Sie sie vorsichtig und gleichmäßig in alle gebohrten Löcher. Sind die Löcher groß und lange genug für die Dübel, können Sie diese montieren und anschließend die Schrauben befestigen.

Dübel montieren, Schrauben befestigen

Stecken Sie die Dübel in alle Bohrlöcher und verwenden Sie einen kleinen Hammer. Mit ein paar geringen Schlägen versenken Sie Ihre Dübel weit genug. Befinden sich die Dübel korrekt und fest in den gebohrten Löchern, können Sie die Schrauben befestigen.

Zum Hineindrehen der Schrauben benötigen Sie in der Regel einen geringen Kraftaufwand. Dadurch entsteht zwischen den Dübeln und der Wand eine sichere und haltbare Verbindung.

Hilfreiche Tipps nach dem Bohren

Was tun, wenn die Löcher zu klein gebohrt wurden?

Haben Sie die Löcher zu klein gebohrt, wiederholen Sie den gesamten Bohrvorgang mit einem etwas größeren Bohrer.

Was tun, wenn die Löcher zu groß gebohrt wurden?

Haben Sie ein Loch aus Versehen zu groß gebohrt, rutscht der Dübel hin und her. Möchten Sie das Loch dennoch verwenden, behelfen Sie sich mit etwas Spachtelmasse und verkleinern Sie damit Ihr Bohrloch. Drücken Sie anschließend den Dübel in das Loch mit der Spachtelmasse hinein und entfernen Sie die überschüssige Spachtelmasse. Bevor Sie die Schrauben in die Dübel eindrehen sollten Sie zur Sicherheit mindestens 2 Stunden lang warten. Nach dieser Zeit ist die Spachtelmasse getrocknet und fest. Als Alternative zur Spachtelmasse können Sie kleine Stahlnägel zwischen Wand und Dübel schlagen und dadurch stabilisieren Sie die lockeren Dübel.

Was tun, wenn der Dübel beinahe in das Bohrloch passt?

Geht ein Dübel nicht richtig in ein Loch und es fehlt nicht viel, verwenden Sie den gleichen Bohrer nochmal und schleifen Sie etwas rundherum am Loch. In der Regel geht der Dübel anschließend in das Loch hinein.

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