Fliesen bohren: Nie wieder kaputte Fliesen dank dieser Anleitung

Von | 16. Juli 2018
Fliesen bohren
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Ein Loch in eine Fliese bohren? – Vor dieser Herausforderung runzeln selbst erfahrene Handwerker die Stirn. Zu groß ist die Gefahr, dass die kostbaren Kacheln springen oder der Bohrer abrutscht. Dabei stellt das Bohren in Fliesen eine Routinearbeit dar, wenn Werkzeug, Hilfsmittel und Anleitung stimmen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie ein exakt kreisrundes, scharfkantiges Loch in Ihre wertvolle Fliese bohren.

Selbst das beste Bohrloch ist eine Fliesenbeschädigung

Eins vorweg: Das Loch in der Fliese ist immer eine Notlösung. Sie können das Bohrloch so handwerklich perfekt wie möglich setzen – die Fliese ist und bleibt beschädigt. Wenn Sie Ihre Installation eines Tages nicht mehr benötigen, müssen Sie das Loch so dezent es geht füllen oder die Fliese austauschen. Alternativ zum Fliesenbohren stehen Ihnen zwei Auswege offen: Das Bohren in der Fliesenfuge und die Verwendung von Montageband.

Alternativen zum Fliesenbohrloch: Bohren in der Fuge, Montageband und Adaptersysteme

Kleinere Objekte wie Toilettenpapierhalter lassen sich meist unter Nutzung von Fugenbohrlöchern anbringen. Wählen Sie einen Steinbohrer aus, dessen Durchmesser kleiner als der Kantenabstand der Fliesen ist – sonst beschädigen Sie die Ränder der Keramik. Kleinere Objekte lassen sich auch gut mit Montageband fixieren. Voraussetzung ist ein ebener und sauberer Untergrund. Der große Badezimmerspiegel dagegen wird kaum unter Nutzung von Fugenbohrlöchern zu montieren sein. Eine Klebebandlösung mit Adaptersystem soll es bis 20 Kilogramm Gewicht aufnehmen – aber nicht alle Heimhandwerker haben die Nerven dafür.

Fliesen bohren

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Perfekte Fliesenbohrlöcher: Die Liste

Fakt ist und bleibt: Eine dauerhafte, belastbare und vertrauenswürdige Montagelösung wird nur durch Bohrlöcher plus Dübel und Schrauben geschaffen. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, müssen Sie also für größere Objekte Löcher in Ihre Fliesen bohren. Zu diesem Zweck sollten Sie sich eine Anzahl von Werkzeugen und Hilfsmitteln bereit legen:

  • Leitungsdetektor
  • Stift
  • Anreißnadel oder Nagel
  • Hammer
  • Wasserwaage
  • Malerkrepp
  • Schlagbohrmaschine
  • Bohrer für die Wand und die verschiedenen Fliesenarten (Stein-, Fliesen-, Glas-, Diamantbohrer)
  • ein Behälter mit Wasser
  • Staubsauger

Die richtige Vorbereitung

Wenn Sie Löcher in Mauerwerk oder Holz bohren, braucht es außer der exakten Markierung und dem geeigneten Bohrer wenig Vorbereitung. Anders beim Fliesenbohren: Hier hängt der Arbeitserfolg von der „Baustellenplanung“ ab. Legen Sie mit einem Leitungsdetektor die Installationszonen fest (also jene Wandareale, die leitungsfrei sind). Zeichnen Sie hier Ihre Bohrstellen an. Die Wasserwaage hilft Ihnen, mehrere Bohrlöcher auf der waagerechten Linie zu markieren. Im nächsten Arbeitsschritt müssen Sie Ihrem Bohrer eine Führung schaffen.

Warum werden Fliesen so gerne in Feuchträumen oder auf Böden verwendet? – Weil sie eine porenfreie, glatte, abwaschbare Oberfläche bilden. Dieser Hygiene-Vorteil wird beim Bohren zum Nachteil: Der Bohrer findet keinen Halt und rutscht ab. Eine geeignete Gegenmaßnahme ist das Vorkörnen. Mit Hammer und Nagel/Anreißer schlagen Sie ein kleines Führungsloch für den Bohrer in die Fliese. Aber Vorsicht: Wenn Sie die Kraft nicht fein dosieren, springt das Material. Üben Sie das Vorkörnen an einer ausrangierten Fliese.

Malerkrepp schafft Halt

Ungeduldige Menschen und solche, die ihre Kraft nicht zügeln können, sollten auf das Vorkörnen verzichten. Alternativ helfen zwei Lagen Kreppband. Kleben Sie das Malerband übereinander auf die Bohrlinie und markieren Sie die Ansetzstellen des Bohrers auf dem Band. Die Oberfläche des Krepps vermittelt Ihrem Bohrer ein abrutschsicheres Ansetzen. Wenn alles markiert und vorbereitet ist, kann gebohrt werden. Achten Sie darauf, dass sich ein wassergefüllter Behälter in der Nähe befindet. Eventuell müssen Sie den Bohrer darin kühlen.

Auf den richtigen Bohrer kommt es an

Apropos Bohrer. Bevor Sie Ihre Bohrmaschine in Anschlag bringen, müssen Sie den geeigneten Bohrer auswählen. Ein herkömmlicher Steinbohrer nimmt es mit Wänden, aber nicht mit Fliesen auf. Entscheidend bei der Auswahl ist die Ritzhärte der Fliesen. Badezimmerfliesen besitzen eine Ritzhärte von 1 bis 2; Bodenfliesen für den Wohnbereich liegen zwischen 3 und 5. Dabei gilt: Je höher der Wert, desto härter die Fliese. Bis Ritzhärte 3 können Sie einen Glas- oder Fliesenbohrer in Ihre Bohrmaschine einspannen. Den hohen Härtegraden 4 und 5 kommt nur ein Diamantbohrer bei.

Wer nicht kühlt, muss zahlen

Ganz gleich, ob Sie in weichen oder harten Fliesen bohren: Der Wasserbehälter gehört an Ihren Arbeitsplatz. Je härter die Fliese ist, desto höher sind die Temperaturen, die während des Bohrens am Bohrer entstehen. Setzen Sie in regelmäßigen Abständen ab und kühlen Sie das Werkzeug im Wasser. Wenn Sie den Bohrer blau anlaufen und ausglühen lassen, ist er nicht mehr zu gebrauchen – bei Spezialbohrern kein geringer Wertverlust.

Feinsteinzeug stellt das härteste Fliesenmaterial dar: Hier muss eine Bohrmaschine mit Kühlsystem und durchgehärtetem Diamantbohrer zum Einsatz kommen. Für umfangreiche Bohrarbeiten in Feinsteinzeugfliesen lohnt sich die Anschaffung einer Diamantfräse, die auch ungekühlt Ihren Dienst versieht.

Die Bohrgeschwindigkeit: Immer schön langsam

Stellen Sie an Ihrer Schlagbohrmaschine eine niedrige Drehzahl ein. Als Faustregel gilt: Je härter die Fliese, desto langsamer die Drehung. Bei Härtegraden ab 4 sollten 300 Umdrehungen nicht überschritten werden. Stellen Sie die Schlagbohrfunktion aus – ansonsten würden Sie die Fliese zertrümmern. Bohren Sie mit geringem Vorschub und denken Sie an das Wassergefäß. Während des Bohrens kann ein Helfer den Bohrstaub mit dem Staubsauger auffangen.

Wenn Sie die Fliese durchbohrt haben, ziehen Sie den Bohrer vorsichtig aus dem Bohrloch heraus. Für den Weg durch die Wand benötigen Sie einen Steinbohrer. Warten Sie einen Augenblick, bevor Sie den Bohrer wechseln, damit Sie sich nicht die Finger verbrennen. Bevor Sie weiterbohren, schalten Sie die Schlagbohrfunktion ein. Treiben Sie das Wandloch auf Dübeltiefe voran.

Was tun, wenn die Fliese springt?

Wenn Sie diese Anleitung befolgt und das richtige Werkzeug eingesetzt haben, ist ein profimäßiges Loch mit durchgängig scharfen Rändern in der Fliese entstanden. Selbstverständlich können einem handwerklichen Laien, der nur alle paar Jahre Löcher in Fliesen bohrt, dennoch Fehler unterlaufen. Was tun, wenn in der Fliese ein Sprung oder eine Abplatzung entstanden ist? Auch für Reparaturfälle gibt es Profitipps. Der Fachhandel hält Präparate für den Fall der Fälle bereit.

Für die Fliesenreparatur sind Zweikomponenten-Kleber auf Epoxidharzbasis entwickelt worden. Die beschädigte Fliese wird gereinigt und mit Malerkrepp abgegrenzt. Den Kleber bringen Sie mit einer Auspresspistole in die beschädigten Stellen ein. Nachmodelliert wird mit einem Kunststoffspachtel. Nach dem Austrocknen schleifen Sie das Füllmaterial vorsichtig mit feinem Schleifpapier. Im letzten Arbeitsschritt wird die beschädigte Fliese mit einem Fliesenlack überstrichen.

So verschwindet der Dübel wirklich im Loch

Jetzt ist nur noch eine Hürde zu überwinden: Das Einsetzen des Dübels. Unkontrollierte Hammerschläge können auf der Zielgeraden das Arbeitsergebnis zunichte machen. Wählen Sie einen Dübel kleinen Kalibers und einen kleinen Hammer. Für die letzten Millimeter drehen Sie die Spitze einer Schraube in den Dübel und klopfen leicht nach. Allein der Dübelkragen ragt noch aus dem Bohrloch heraus. Er lässt sich gut mit einem scharfen Cuttermesser entfernen.

Ein Tipp vom Juristen

Fliesen bohren hat neben der handwerklichen eine juristische Seite. Bohren Sie als Mieter niemals ohne vorherige Absprache in Fliesen. Sollte Ihnen der Vermieter die „Lizenz zum Bohren“ geben, bestehen Sie auf jeden Fall darauf, die Regelung schriftlich im Mietvertrag zu fixieren. Schließlich wollen Sie nach Ihrem Auszug die hinterlegte Mietkaution wiederbekommen.

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