Edelstahlsorten: Welche gibt es und wie wählt man die Richtige?

Von | 26. März 2019
Yulia Grogoryeva/123RF

Edelstahl ist ein vielseitig einsetzbares Material, das aufgrund seiner Eigenschaften besonders widerstandsfähig ist und sowohl für Projekte im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt wird. Auch bekannt als rostfreier Stahl wird er aufgrund der genauen Zusammensetzung, die durch verschiedene Zusätze geprägt wird, in unterschiedliche Sorten gegliedert. Mittlerweile blickt Edelstahl auf eine jahrhundertealte Geschichte, in der er als Werkstoff zusehends Beachtung findet. An dem Jahr 1912 wurde Edelstahl immer häufiger industriell verarbeitet.

Ab 1950 konnte sich das Material weiter festigen, sodass heute über 120 verschiedene Edelstahlsorten unterschieden werden können. Welche das sind und in welche Gruppen sie aufgeteilt werden, zeigt dieser Ratgeber.

Was ist Edelstahl?

Als Werkstoff ist Edelstahl fest im Alltag verankert. Er wird zu Schrauben, Bauteilen, aber auch beispielsweise zu Endprodukten wie beispielsweise einem Backofenrost verarbeitet. Was genau sich dahinter verbirgt, ist vielen bis heute unbekannt. Diese spezielle Stahlvariante hebt sich durch den hohen Reinheitsgrad von anderen Materialien ab. Durch seine Reinheit ist er korrosionsbeständig und verschleißfest. Er kann einfach geschweißt werden und trotzt zugleich Temperaturschwankungen verschiedenster Art. Aufgrund seiner Wartungsarmut und Langlebigkeit gilt Edelstahl übrigens als besonders wirtschaftlich, weshalb er für viele Projekte als Grundmaterial infrage kommt.

Dass Edelstahl allerdings generell rostfrei ist, ist allerdings ein Irrglaube. Zwar rostet er nicht so schnell wie viele andere Stahlvarianten, aber auch er kann von den verschiedenen Umgebungsbedingungen stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die verfügbaren Edelstähle unterscheiden sich in der Zusammensetzung voneinander. Gemeinsam haben alle Sorten einen Chromanteil von insgesamt 12 Prozent. Typisch für den Edelstahl ist die Chromoxid-Schicht an der Oberfläche. Diese entsteht, wenn der Stahl mit dem Sauerstoff reagiert. Die Chromoxid-Schicht ist meistens nur wenige Millimeter dick, bildet aber eine wichtige Schutzbarriere, denn durch sie wird der im Kern gelegene Stahl vor den Umgebungseinflüssen geschützt.

Wenn die Beschichtung durch Einwirkung von außen beschädigt wird, stellt dies keine große Belastung für den Edelstahl dar. Diese kann sich durch die erneute Reaktion mit dem Sauerstoff in Luft und Wasser beispielsweise einfach wieder neu bilden.

Welchen Edelstahl gibt es und welcher ist der Richtige?

Aufgrund der verschiedenen möglichen Zusammensetzungen gibt es zwar weit mehr als hundert Edelstahlsorten, gesammelt werden diese aber immer in drei großen Gruppen. Die folgende Tabelle fasst die drei Gruppen sowie deren wichtigste Merkmale zusammen:

StahlgruppeDazugehörige StahlsortenWichtige Merkmale
AustenitischA1
A2
A3
A4
A5
- Chrom-Nickel-Stahl
- Chromanteil zwischen 15 und 20 Prozent
- Nickelanteil zwischen 5 und 15 Prozent
- nicht magnetisierbar
- wird durch Wärme härter
FeristischF1- verfügbare Festigkeitsklassen: 45 und 60
- magnetisierbar
- Härtung nicht möglich
- Anwendung bei hohem Chloridgehalt in der Umgebung möglich
Martensitisch- C1 (Festigkeitsklassen: 50, 70, 110)
- C2 (Festigkeitsklassen: 50, 70)
- C3 (Festigkeitsklasse: 90)
- Verfestigung durch Härten
- magnetisierbar
- nicht so korrosionsbeständig

Austenitische Edelstähle

Der austenitische Edelstahl gilt als bekannteste Ausführung dieses Material. Es werden zwei grundlegende Zusammensetzungen unterschieden. Neben der klassischen Chrom-Nickel-Variante gibt es ebenso einen austenitischen Edelstahl aus Chrom, Nickel und Molybdän. Das Kristallgemisch besteht im Wesentlichen aus Eisen, besitzt aber verschiedene Legierungen. Aufgrund seiner Materialzusammensetzung ist dieser Edelstahl besonders resistent gegenüber Korrosion. Er wird daher auch für die verschiedensten Komponenten verwendet und ist eines der bekanntesten Grundmaterialien für Schrauben.

Wie korrosionsbeständig dieser Stahl tatsächlich ist, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist hier in erster Linie die Menge des verarbeiteten Chroms und Molybdän. Der austenitische Edelstahl hat aber auch Nachteile, denn gerade wenn Komponenten einen besonders hohen Härtegrad aufweisen müssen, kommt er nicht infrage. Er kann entgegen der anderen Edelstahlsorten nicht gehärtet werden. Die verfügbaren Festigkeitsklassen dieser Edelstahlsorte reichen von weich über kaltverfestigt bis hin zu hochfest.

Es gibt austenitische Edelstähle, die außergewöhnlich rein sind. Hier ist der Kohlenstoffgehalt eher gering. Um diese Edelstähle von anderen zu unterscheiden, wird der Bezeichnung ein „L“ angefügt.

Austentischer Edelstahl kommt oftmals als Grundmaterial für Schrauben zum Einsatz und ist in der Regel unter anderem ziemlich korrosionsbeständig. ©Serhii Kucher/123RF

Martensitische Edelstähle

Alle Edelstähle mit dem Kürzel “C” sind martensitische Edelstähle. Sie unterscheiden sich durch die Art der Legierung von den austenitischen Edelstählen. Unabhängig von der verarbeiteten Legierung besitzt diese Sorte immer 10,5 bis maximal 13 Prozent Chrom. Der Kohlenstoffgehalt fällt mit wenigstens 0,2 und 1 Prozent relativ gering aus. Der martensitische Edelstahl kann deutlich fester sein. Der hohe Festigkeitsgrad wird durch eine gezielte Wärmebehandlung erreicht, die dank der speziellen Zusammensetzung problemlos möglich ist.

Er ist extrem resistent, sodass diesem Edelstahl auch Laugen sowie diverse Chemikalien nichts anhaben können. Der sogenannte Martensitstahl wird zur Herstellung von Schrauben verwendet, kommt aber auch für diverse Haushaltswaren wie Messer oder auch medizinische Instrumente infrage.

Ferritische Edelstähle

Ebenso bekannt als Ferrit fallen diese Edelstähle in erster Linie durch das kristalline Schema auf. Der Chromgehalt ist hier sehr unterschiedlich. Typisch für diese Stahlsorte ist ein Chromanteil zwischen 12 und 18 Prozent. Im Vergleich zu den beiden vorgestellten Edelstahlsorten haben ferritische Edelstähle einen deutlich geringeren Kohlenstoffanteil. Er liegt bei unter 0,2 Prozent.

Ferritische Edelstähle lassen sich im Gegensatz zu den anderen sehr leicht verformen. Nachteil ist jedoch, dass eine Härtung nicht möglich ist.

Fazit

Welche Edelstahlsorte verwendet wird, hängt in erster Linie davon ab, für was der Werkstoff gebraucht wird. Es gibt Edelstahlkomponenten, die weich und flexibel sein müssen, bei anderen ist dagegen eine hohe Festigkeit gefragt. Für Schrauben kommen ferritische Edelstähle aufgrund ihrer Eigenschaften nicht infrage. Hier werden grundsätzlich austentische und martensitische Edelstähle genutzt, da sie hart, hoch belastbar und weitgehend korrosionsbeständig sind.

Welche Edelstahlsorte dabei genau für die Schrauben verwendet wird, hängt vorrangig von der Schraubenart ab. Grundsätzlich gilt: Ist ein Edelstahl biegsam, weist dies in keinem Fall auf eine mangelhafte oder minderwertige Qualität hin. In diesem Fall ist lediglich die Zusammensetzung eine andere und die Biegsamkeit ist den verwendeten Grundstoffen geschuldet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.