Topfscharniere: Montage, Merkmale und Wissenswertes

Von | 24. Juni 2018
topfscharniere
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Topfscharniere, auch als Topfbänder bekannt, sind an Schränken unverzichtbar. Denn erst sie ermöglichen das komfortable Öffnen und Schließen von Schranktüren. Zugleich dienen sie als Verbindungselement zwischen Türen und Korpus eines Möbelstücks. In diesem Artikel informieren wir Sie über den Aufbau von Topfscharnieren, die detaillierte Funktion und die korrekte Montage.

Aufbau und Funktion eines Topfscharniers

Ein Topfscharnier oder Topfband besteht aus drei Grundelelementen.

  • Topf
  • Bandarm
  • Grundplatte oder Montageplatte

Beim Topf handelt es sich um jenes Element, das Sie in die Rundbohrung auf der Trägerplatte einfügen. In den Topf integriert sehen Sie den Bandarm. Er stellt die Verbindung zwischen Topf und Grundplatte her und übernimmt durch integrierte Dämpfer oder Federn die Schließfunktion. Zusätzlich sind Topfscharniere in drei Richtungen arretierbar, wodurch eine exakte Positionierung der Tür möglich ist.

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Topfscharniere mit unterschiedlichen Schließfunktionen

Topfscharniere sind mit unterschiedlichen Funktionen verfügbar. Wir stellen die drei am häufigsten eingesetzten Varianten vor. Wobei es auch Mischformen der einzelnen Schließfunktionen gibt.

Integrierte Schließdämpfung

Bei Topfscharnieren mit Schließdämpfung sorgt ein integrierter Dämpfer für das sanfte Schließen der Möbeltür. Unabhängig vom Schwung bremst der Dämpfer die Tür vor dem Erreichen der Möbelkante sanft ab. Die integrierte Schließdämpfung verhindert unangenehm laute Geräusche und schont das Material.

Automatisch schließende Topfscharniere

Diese Variante ist mit einem Federmechanismus ausgestattet. Weist eine Möbeltür einen ungefähren Winkel von 30 Grad auf, aktiviert diese Position die Feder und die Tür schließt automatisch. Der Vorteil von automaisch schließenden Möbeltüren liegt vor allem in der reduzierten Unfallgefahr, die vor allem bei Hängeschränken im Küchenbereich vorhanden ist.

Topfscharniere ohne integrierte Technik

Für grifflose Möbeltüren kommen häufig Scharniere ohne integrierte Dämpfer und Federautomatik zum Einsatz. Durch den Einbau eines zusätzlichen Bauteils wie ein versenkbarer Magnet bleibt die Möbeltür in der geschlossenen Position und öffnet sich nur auf leichten Druck.

Befestigungsvarianten für Topfscharniere

Auch hinsichtlich der Befestigung des Scharniertopfs stehen mehrere Varianten zur Auswahl. Wobei die am häufigsten verwendete Lösung das Fixieren des Topfs durch zwei seitlich angebrachte Schrauben ist.

Komfortabel wirkt die Befestigungsart „Schnellmontage“ auf den ersten Blick. Der Scharniertopf verspannt sich durch eine integrierte und nach unten klappbare Abdeckkappe im Bohrloch. Um ein Verdrehen des Scharniertopfs zu verhindern, wird er seitlich durch Schrauben fixiert.

Die dritte Variante ist vor allem für die industrielle Fertigung relevant. Bei diesem Verfahren presst eine Maschine den Scharniertopf in die Trägerfläche. Die Fixierung erfolgt durch vormontierte Kunststoffmuffen. Diese Befestigungsart hat ausschließlich für die Herstellung Vorteile. Ist eine spätere Demontage erforderlich, ist dies durch die eingepressten Kunststoffmuffen häufig mit einer Beschädigung der Möbeltür verbunden.

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Auswahlkriterien für das passende Topfscharnier

Die Abmessungen eines Topfscharniers unterliegen zwar normierten Standards. Trotzdem gibt es Einbausituationen, die ein Abweichen vom Standardscharnier erfordern.

  • Möbeltür ist dicker als normal.
  • Gewicht der Möbeltür.
  • Einbausituation erfordert abweichenden Öffnungswinkel.
  • Korpuswinkel des Möbelstücks.

Öffnungswinkel

Der Öffnungswinkel definiert den Winkel, den die geschlossene Möbeltür bis zum Anschlag geöffnet beschreibt. Abhängig von der Einbausituation ist unter Umständen ein kleinerer oder größerer Winkel erforderlich. Als Beispiel dient eine beengte Einbausituation, in der ein Kollidieren mit der angrenzenden Wand verhindert werden soll. In diesem Fall ist ein reduzierter Öffnungswinkel sinnvoll. Anders gestaltet sich die Situation bei Eckschränken. Für die bessere Zugänglichkeit des Schrankbereichs bietet sich ein größerer Öffnungswinkel an.

  • Standardwinkel
  • 95 bis 110 Grad
  • Großer Öffnungswinkel – bis zu 65 Grad

Topfdurchmesser

Der Standard beim Topfdurchmesser beträgt 35 Millimeter. Abhängig vom Gewicht und der Größe der Möbeltür kann diese Abmessung abweichen. So ist unter Umständen für eine große und sehr schwere Möbeltür ein höherer Durchmesser erforderlich. Für leichte und kleinformatige Türen reicht ein Durchmesser von 26 Millimeter aus.

Winkelanschläge – Korpuswinkel

Der Korpuswinkel ist der Winkel zwischen der Innenfläche einer Schrankseite und der Innenfläche der Möbeltür. Abhängig von der Positionierung der Möbeltür, unterscheidet die Fachwelt zwischen innen liegendem und außen liegendem Anschlag sowie dem Mittelwandanschlag.

  • Innen liegender Anschlag – Tür liegt innerhalb des Korpus auf.
  • Außen liegender Anschlag – Tür liegt auf dem Korpus auf.
  • Mittelwandanschlag – Montage an einer Mittelwand.

Mindestfuge

Die Mindestfuge ist der freie Spalt zwischen einer Möbeltür und angrenzenden Bauteilen wie anderen Türen oder Schubladen. Halten Sie diesen unbedingt ein, um eine Beschädigung des Möbelstücks beim Öffnen zu vermeiden.

Die Berechnungsgrundlage bildet der Topfbohrabstand. Dabei handelt es sich um die Distanz der Bohrlochkante des Scharniertopfs zur Außenkante der Möbeltür. In der Regel sind dies bei einer 19 Millimeter dicken Möbeltür vier Millimeter mit einer Mindestfuge von 0,8 Millimetern. Ist der Topfbohrabstand größer als fünf Millimeter, reduziert sich die Mindestfuge auf 0,7 Millimeter. Bei der Montage als Mittelwandanschlag berücksichtigen Sie bitte die doppelte Breite der Mindestfuge.

Die genannten Werte sind nur ungefähre Angaben. Wie breit die Mindestfuge für das von Ihnen verbaute Scharnier tatsächlich ist, entnehmen Sie bitte der Scharnierbeschreibung.

Anzahl der Scharniere pro Möbeltür

Wie viele Scharniere Sie pro Möbeltür montieren, hängt von deren Höhe ab. Für Standardtüren mit einer Materialdicke von 15 bis 19 Millimeter orientieren Sie sich an folgenden Angaben.

  • 90 Zentimeter – 2 Scharniere
  • 160 Zentimeter – 3 Scharniere
  • 200 Zentimeter – 4 Scharniere
  • 240 Zentimeter – 5 Scharniere

So montieren Sie ein Topfscharnier korrekt

Im ersten Schritt benötigen Sie das Topfloch sowie, abhängig von der Befestigungsvariante, zwei seitliche Bohrungen zur Fixierung des Scharniertopfs. Ermitteln Sie die exakte Position des Topflochs und bohren Sie es mit einem Forstnerbohrer mit entsprechendem Durchmesser. Drücken Sie anschließend den Topf vorsichtig in die Bohrung. Je nach Ausführung des Topfscharniers sind nun zwei weitere Bohrungen zur Fixierung mittels Schrauben erforderlich. Im nächsten Schritt montieren Sie die Grund- oder Montageplatte. Sind alle Scharniere angebracht, verbinden Sie den mit dem integrierten Bandarm versehenen Topf mit der Grundplatte. Abhängig von der Bauart des Scharniers wird der Bandarm nur in die gegenüberliegende Montageplatte eingeklickt oder das Scharnier wird über die Feststellschraube fixiert.

Nach der Montage erfolgt die Einstellung

Den Abschluss der erfolgreichen Montage bildet das Justieren der Scharniere. Denn zumeist zeigen sich zumindest kleinere Fehlstellungen der Möbeltür. Achten Sie darauf, die Reihenfolge der einzelnen Maßnahmen einzuhalten.

  • Höhe über Langlöcher oder Exzenterschraube an der Grundplatte
  • Tiefe
  • Schräge

Türhöhe richtig einstellen

Die Ober- und Unterkanten der Möbeltür befinden sich mit den Ober- und Unterkanten des Korpus auf gleicher Höhe. Ist dies nicht der Fall, hängen Sie die Tür aus und stellen die Höhe über die Schrauben der auf der Montageplatte angebrachten Langlöcher ein. Alternativ besitzt das Scharnier eine Exzenterschraube.

Abstand zwischen Tür und Korpus – die korrekte Tiefe

Diese Justierung führen Sie bei eingehängter Tür durch. Achten Sie dabei auf einen gleichmäßig verlaufenden Abstand zwischen Korpus und Möbeltür von ungefähr einem bis zwei Millimetern. Grundsätzlich gilt, dass die Tür den Korpus beim Öffnen keinesfalls berühren darf.

Lösen Sie dafür die Schraube am Bandhebel und ziehen Sie die Tür vorsichtig in ihre Richtung. Achten Sie dabei auf den gleichmäßigen Verlauf des Abstands. Mit der Schraube am Bandarm fixieren Sie die neue Türposition.

Wenn die Möbeltür schief hängt

Die Tür zeigt in eine oder mehrere Richtungen unregelmäßig verlaufende Spalten? In diesem Fall ist die Möbeltür nicht in der Waage. Für die sogenannten Schrägen- und Auflagenverstellung nutzen Sie die am Bandarm angebrachte und in Richtung Topf liegende Einstellschraube.

  • Schräglage: Nehmen Sie die Einstellungen an jedem der Scharniere vor und berücksichtigen Sie die gegenläufige Drehrichtung beim oberen und unteren Scharnier. Dies bedeutet: Drehen Sie die obere Schraube nach innen, muss die untere nach außen gedreht werden.
  • Auflagenverstellung: Anders präsentiert sich die Situation, wenn die gesamte Tür zu weit außen oder innen sitzt. In diesem Fall drehen sie beide Schrauben in die gleiche Richtung; entweder nach innen oder nach außen.

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