Schrauben Festigkeitsklassen

Von | 13. März 2018
Schrauben Festigkeitsklassen
Schrauben Festigkeitsklassen ©Naphat Krisin /123RF

In der Industrie und im Handwerk dienen Schrauben als gängiges Befestigungsmittel neben dem Schweißen und Nieten. Die Schraubenqualität hat einen hohen Stellenwert, denn diese garantiert die maximale Sicherheit einer Verbindung. Aus diesem Grund sollten Sie sich beim Kauf immer auf die Festigkeitsklasse berufen und sich nicht allein an den Größenangaben, sowie der DIN-Norm orientieren.

Was bedeuten die Zahlen der Festigkeitsklasse?

Die Festigkeitsklasse bestimmt die verschiedenen Einsatzgebiete und gibt Auskunft über die Haltbarkeit, die Beanspruchung und regelt die Sicherheit. Gemäß ihrer spezifischen Festigkeit werden Schrauben genauso wie Muttern in Festigkeitsklassen eingeteilt. Diese werden mit zwei Zahlen bezeichnet, welche durch einen Punkt getrennt sind.

So kann auf einer Schrauben-Verpackung beispielsweise die Nummer 8.8 stehen. Die Festigkeitsklassen reichen von 4.6 bis zu 12.9 und bestimmen die jeweilige Zugfestigkeit und die Streckgrenze des Materials.

Festigkeitsklassen von Schrauben

Festigkeitsklassen unterliegen der DIN-Norm und gelten daher einheitlich in allen europäischen Ländern. Je höher die Zugfestigkeit einer Schraube ist, umso höher ist auch die Streckgrenze. Ein identisches Verhältnis von Zugfestigkeit und Streckgrenze würde theoretisch dann auftreten, wenn die Zahl hinter dem Punkt 10 entspricht, also beispielsweise 8.10.

Zugfestigkeit und Streckgrenze

  • Die Zahl nach dem Punkt steht für die Streckgrenze bzw. Dehngrenze, eines Materials. Diese gibt den maximalen Spannungswert an, welchen die Schraube aushält.
  • Die Zugfestigkeit bestimmt die Spannung, die ein Material maximal aufnehmen kann. Das Material muss also sowohl reißfest, als auch elastisch sein, das heißt nach einer Dehnung wieder in die Ausgangslage zurück gehen.

Die Festigkeit der Schraube muss direkt auf dem Schraubenkopf sichtbar sein. Häufig wird diese eingestanzt, sodass sie auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Ziffer vor dem Punkt wird mit 100 multipliziert und gibt die Zugfestigkeit in N/mm² an. Die Ziffer nach dem Punkt bezeichnet die Mindeststreckgrenze. Früher wurden Schrauben mit nur einer Ziffer und einem Großbuchstaben benannt.

Faktoren die die Festigkeit von Schrauben beeinflussen

  • Der verwendete Stahl,
  • die Legierung der Schraube,
  • die Größe und das Gewinde der Schraube und
  • das Anzugsmoment bestimmen die Haltbarkeit, sowie die Stabilität der Schraubverbindung.

Die Festigkeitsklasse 8.8 DIN ist vor allem in der Industrie zu finden. Die höheren Klassen 10.9 und 12.9 werden für schwere Schraubverbindungen verwendet, die im Regelfall vorgespannt und vorberechnet sind.

Akkubohrer und Schrauben

Schraubenfestigkeitsklassen

Die Schraubenfestigkeitsklasse 8.8

Eine der meist verwendeten Schrauben, sind Schrauben mit Festigkeitsklasse 8.8. Die Angabe 8.8 steht für eine hohe Qualitätsklasse und garantiert die Festigkeit der Schraube. Die Ziffern 8.8 finden Sie zum Beispiel bei Sechskantschrauben und Schrauben mit Außensechskant in erhöhter Ausführung auf dem Kopf des Sechskants oder eingeschlagen an der Seite.

Die Ziffer vor dem Komma gibt Auskunft über die Zugfestigkeit. Sie entspricht 1/100 Zugfestigkeit in N/mm². Sie können also an einer Schraube mit der Bezeichnung 8.8 mit 800 N/mm² ziehen, bevor diese bricht. Die Ziffer hinter dem Komma gibt Auskunft über die Streckgrenze. Sie gibt an, welche Kraft nötig ist, um die Schraube durch Zug dauerhaft zu verformen.

Schrauben mit der Bezeichnung 8.8 sind aus Kohlenstoffstahl mit verschiedenen Zusätzen gefertigt. Hierfür wird der Kohlenstoffstahl abgeschreckt und angelassen, woraus sich eine hohe Festigkeit ergibt und diese Schrauben in verschiedenen Einsatzgebieten mit Vorteilen überzeugen. Die Anlasstemperatur in der Fertigung liegt hier bei 425°C und sorgt für eine stabile Verbindung, die eine Verformung in der Verwendung von 8.8 Schrauben ausschließen lässt.

Gerne können Sie noch heute passende 8.8er Schrauben in unserem Online Shop bestellen.

Schraubenfestigkeitsklasse 8.8

©Pan Demin/123RF

Die Schraubenfestigkeitsklasse 10.9

Schrauben mit der Bezeichnung 10.9 sind aus Kohlenstoffstahl mit verschiedenen Zusätzen gefertigt. Als Zusatz kommen Bor, Mn oder Cr in Frage. Die Anlasstemperatur liegt bei der Schraubenbezeichnung 10.9 bei 340°C und sorgt für eine hohe Festigkeit.

Die Schraubenbezeichnung 10.9 gehört zu den häufigsten Nennwerten, die Sie im Fachhandel oder im Baumarkt finden. Um die Zugfestigkeit zu ermitteln, wird der Nennwert vor dem Punkt mit 100 multipliziert und führt bei einer 10.9 Schraube zu dem Ergebnis, dass die Zugfestigkeit sich auf 1.000 N/mm² bezieht.

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass es sich bei der Schraubenbezeichnung 10.9 um einen Nennwert der Größe handelt. Dies ist falsch, da die Größe separat auf dem Schraubenkopf, sowie der Verpackung vermerkt ist. Vor allem im Stahlbau haben Schrauben mit der Bezeichnung 10.9 große Bedeutung und fallen durch ihre Festigkeit und das nachhaltige Anzugsmoment auf.

Gerade im Stahlbau muss eine hohe Festigkeit der Verbindung gegeben werden, weswegen sich 10.9 Schrauben aus rostfreiem Stahl oder einer Legierung mit Zusätzen besonders gut eignen. Sie sind stabil, nachhaltig und ohne Einschränkungen fest mit dem Material verbindbar.

Welche Vorspannkraft und welches Anzugsmoment optimal ist, entnehmen Sie nicht allein der Schraubenbezeichnung 10.9, sondern müssen hierbei auch die Größe und Länge, sowie die Stärke der Schraube beachten. Die Richtwerte sind auf der Verpackung der Schraube zu finden und gewährleisten, dass die maximale Festigkeit durch die richtige und vom Hersteller empfohlene Verwendung dieser Schrauben erreicht wird.

Die Schraubenfestigkeitsklasse 5.8

Die Festigkeitsklasse 5.8 bezeichnet verschiedene Schraubenarten, deren Festigkeit sich durch eine 5 für die Berechnung der Zugfestigkeit, sowie einer 8 zur Berechnung der Steckgrenze auszeichnet. Da sie in unterschiedlichen Schraubenarten zu finden sind, gibt es Ausführungen in der Schraubenfestigkeit 5.8 mit unterschiedlichen Köpfen und so für verschiedene Verwendungsbereiche.

Bei der Berechnung und Kaufentscheidung müssen Sie grundsätzlich einkalkulieren, ob sich der Schraubenkopf auf oder im Falle einer Senkkopfschraube, im Werkstoff befindet. Auch die Länge und Stärke einer Schraube ist wichtig.

Um die passenden 5.8 Schrauben zu finden, sollten Sie nicht nur der Bezeichnung, die bei allen Schrauben direkt sichtbar auf dem Schraubenkopf vermerkt ist, sondern auch der richtigen Länge und Stärke Bedeutung beimessen.

Beachten Sie, dass diese bei Senkkopfschrauben anders berechnet wird. Die Zugfestigkeit bei dieser Schraubenqualität wird mit 5 x 100 ermittelt, sodass sich eine Zugfeste von 500 N/mm² ergibt. Der zweite Wert, in diesem Fall die 8, nimmt den gleichen Einfluss auf das Einsatzgebiet wie die Zugfeste in N/mm² und bezeichnet die Steckgrenze im Minimum. Für Ihre Entscheidung spielt es weiter eine Rolle, sich für Schrauben im gewünschten Material zu entscheiden.

Mutter und Schraube

©mistac/123RF

 

Die Einsatzbereiche von Schrauben mit der Festigkeitsklasse 5.8: Die Schrauben können im Innen- und Außenbereich Verwendung finden, sofern Sie sich im Material für eine Legierung und Zusammensetzung entscheiden, die den Außenbedingungen der Schraubverbindung standhält und somit eine sichere und nachhaltige Verbindung gewährleistet.

Die Schraubenfestigkeitsklasse 5.6

Die Schrauben der Festigkeitsklasse 5.6 setzen sich aus der 5 für die Zugfestigkeit, sowie der 6 für die Streckgrenze zusammen. Die Formel für die Berechnung der Schraubenfestigkeit 5.6 setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Zugfestigkeit: 5 x 100 N/mm² = 500 N/mm²
  2. Streckgrenze: 5 x 6 x 10 N/mm² = 30 x 10 N/mm² = 300 N/mm²

Nach der Multiplikation der Verhältniswerte erhält man die Kenntnis zur Zugfestigkeit, sowie der Streckgrenze. Die Werte der Schraubenfestigkeit sind direkt auf der Verpackung vermerkt, Sie müssen beim Einkaufen im Baumarkt also nicht rechnen! Sollten Sie aber die benötigte Festigkeit nicht kennen, kann Ihnen die Berechnung dabei helfen, eine falsche Kaufentscheidung auszuschließen.

Die Schraubenfestigkeit 5.6 gibt bereits Aufschluss über die Festigkeitsklasse, aber auch der genutzte Werkstoff, die Größe und der Anwendungsbereich einer Schraube sind bei Werkarbeiten zu beachten. Schrauben mit einer Schraubenfestigkeitsklasse 5.6 verfügen über eine Streckgrenze von 300 N/mm² und eignen sich für Verbindungen verschiedener Materialien, die keine höhere Festigkeitsklasse benötigen.

Schrauben mit der Festigkeitsklasse a2 und a4

Mit der Schraubenfestigkeitsklasse a2 und a4 wird die Festigkeit von Edelstahlschrauben bezeichnet, deren Eigenschaften durch den Einsatz schwer rostender Edelmetalle optimiert wurden. Doch gibt es zwischen den beiden Festigkeiten prägnante Unterschiede, die Sie beim Einsatz und in der Verwendung zur Gestaltung einer Schraubverbindung beachten sollten.

Diese Schrauben sind nicht, wie vom Hersteller häufig angegeben, rostfrei. Sie bestehen aus schwer rostenden Edelmetallen, da sie über einen hohen Reinheitsgrad verfügen und in der Legierung, zur Herstellung der a2 Schrauben, kaum korrodierende Materialien enthalten sind.

Ein hauptsächliches Merkmal von Schrauben mit der Bezeichnung a2 ist die Widerstandsfähigkeit. Zudem haben diese auch eine spezifische Länge, Durchmesser, sowie eine bestimmte Festigkeit.

Edelstahlschrauben

©Marcel Derweduwen/123RF

Verwendung von Edelstahlschrauben

Schrauben der Festigkeitsklasse a2 finden vor allem im Außenbereich Verwendung. In normaler Anwendung rostet die Schraube nicht und kann daher zum Verbinden verschiedener Materialien und Baustoffe zum Einsatz kommen.

Nicht geeignet sind Edelstahlschrauben in dieser Festigkeit für eine Anwendung unter Wasser, beziehungsweise für den Verbau an Stellen, die ständig von Feuchtigkeit betroffen sind und so die Korrosion fördern könnten.

Die Schraubenfestigkeit a4 bietet neben den positiven Eigenschaften, welche die Festigkeit a2 mitbringt, eine Säure- und Salzwasserbeständigkeit. In sehr feuchten Regionen, wie beispielsweise an der Küste, finden die a4 Schrauben bevorzugt Einsatz. Da in Küstenregionen auch die Luft von einer gewissen Feuchtigkeit und einem hohen Salzgehalt durchzogen ist, würden Schrauben der Festigkeitsklasse a2 frühzeitig korrodieren, was bei den a4 Schrauben nicht passiert.

Auch in der Chemie- und Lebensmittelindustrie werden Schrauben mit der Bezeichnung a4 primär verwendet, da diese gegen Säuren resistent sind und so die notwendigen Anforderungen an eine sichere und nicht korrodierende Schraubverbindung erfüllen.

Doch ganz egal, ob Sie säureresistente a4 Schrauben oder hochbelastbare 10.9 Schrauben benötigen. Bei uns im Online Shop können Sie noch heute die passenden Schrauben bestellen.

2 thoughts on “Schrauben Festigkeitsklassen

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